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Deutschland entdeckt die Creative Industries.

Das Reich der Kultur endet in Deutschland traditionell an der Grenze zum Kommerziellen. Die Engländer sind dagegen schon vor einer Weile auf den Trichter gekommen sind, dass auch fröhlich hingeträllerte Pop-Songs nicht nur Plattenkonzerne reicher machen, sondern auch die Kultur einer Region.

Die Betrachtung der neuen Industrien, die im Bereich der Informationsveredelung arbeiten, folgte entsprechend zwei unterschiedlichen Linien. Auf der einen Seite die Briten, die Werbung, Architektur, Design, Theater, Tanz etc. unter dem Titel “Creative Industries” zusammefassten, und der Menage gleich noch einen Minister und Förderprogramme spendierten. Auf der anderen Seite der deutsche Kulturbetrieb, der seit Anfang der 90er peinlich darauf achtete, das sich die “Cultural Industries” nicht mit den kommziellen Schmuddelkindern (Werbung! Computerspiele!) in einen Topf wiederfinden.

Es ist nicht zuletzt Berlins medientauglichen Mitte-Boys und Girls zu verdanken, dass die Creative Industries nun auch in Deutschland nicht mehr nur Thema der Kultur- sondern auch der Industriepolitik sind. Für Politiker zusätzlich motiverend wirkt sich die Tatsache aus, dass mit den klassische Kulturträgern wie Verlag und Buchhandel im Moment kein Staat zu machen ist. Wenn man die rasant wachsenden Bereiche Games und Design in die Familie aufnimmt, dagegen schon.

Die schieren Zahlen sind auch wirklich beeindruckend: 58000000000 Euro oder 2,6% des BSP. Mehr schaffen in Deutschland nur die Banken und die Automobilindustrie ran. Und auch beim Wachstum belegen die Kreativen Spitzenplätze. Auf der anderen Seite wird diese Wirtschaftsleistung in mittelalterlich kleinteiligen Verhältnissen produziert. Den 4000 Firmen und Fabriken der Autobranche stehen 200.000 kleine und kleinste Unternehmen in den Creative Industries gegenüber.

Das Einpersonen-Unternehmen ohne Kapital ist weit verbreitet. Kein Wunder; dass zum Beispiel die Investitionsbank Berlin (IBB) galgenhumorige Kurse für die Creative Industries anbietet – unter der sonst für Afrika und Bangladesh reservierten Überschrift: “Hilfe zur Selbsthilfe.” Und trotzdem erwartet man sich in den Regierungszimmern der Republik wahre Heldentaten von der “Creative Class”. Aus dem Milchmädchenministerium wird folgendes Rechenbeispiel kolportiert: “Wenn nur jeder zehnte Kreative einen weiteren einstellt, dann haben wir schon 20.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.”

Na dann. Alle auf den Hof zum Durchzählen.

Die Möglichkeit, dass Kreative den Mix aus Freiheit und Zusammenarbeit nicht nur interessant sondern auch notwendig finden, wird von den jobhungrigen Politikern erstmal verdrängt. Dabei wäre es doch genauso reizvoll, Strukturen zu fördern, die 200.000 oder auch 300.000 Kleinunternehmen die Vernetzung erleichtern. Statt darauf zu warten, dass Designer oder Modemacher auf einmal den Traum entwickeln, eine mittelständische Denkfabrik mit 1.000 Angestellten hochzuziehen.

Aber ich soll ja nicht immer schimpfen. “Created in Germany” ist im Kommen, so oder so.

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Literatur:

Ein guter Überblick zu Definitionen und wirtschaftlichem Hintergrund findet sich in einem kleinen Büchlein der UNESCO von 2007. Das PDF ist hier frei erhätlich. Bernd Fesel, Michael Söndermann: Culture and Creative Industries in Germany. Bonn: German Commission for UNESCO, 2007. 40 p. ISBN 3-927907-94-4

Die europäische Perspektive, läßt sich unter dem lustigen Motto zusammenfassen: “Wir wollen unsere Kultur so erfolgreich verkaufen wie die Amerikaner, und dabei so bleiben wir sind.” Sie findet sich, ebenfalls zum kostenlosen Download hier auf den Webseiten der Europäischen Kommission.

Als Ausgangspostion für die aktuellen Bemühungen der Bundesregierung bietet sich die gut organsierte Webseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie an. Sie hat dem Thema Kultur- und Kreativwirtschaft einen ganzen Unterbereich gewidmet, mit einem zusammenfassenden Podcast-Beitrag der parlamentarischen Staatssekretärin Wöhrl – und sogar mit eigenem Logo.

Logo des BMWI

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